ÖGK-Kassenstellendebatte: Salzburger Ärztekammer fordert gerechte Verteilung der Ressourcen

News Startseite News Folgeseite News Startseite

Die Ärztekammer Salzburg kritisiert die Schieflage bei Stellenverteilung und Mittelabfluss – Zentralisierung gefährdet die regionale Versorgung.

Die aktuelle Debatte um die Verteilung von ÖGK-Kassenarztstellen in Österreich offenbare eine besorgniserregende Schieflage. Salzburgs Ärztekammer-Präsident Dr. Matthias Vavrovsky hält dazu fest: „Während der ‚Regionale Strukturplan Gesundheit‘ (RSG 2030) für Wien bis 2030 insgesamt 215 neue Stellen vorsieht, erhalten alle anderen acht Bundesländer gemeinsam lediglich 155 zusätzliche Stellen. Hinzu kommt: Ein erheblicher Teil der in Wien vorgesehenen neuen Stellen ist nicht für die Stärkung der bestehenden kassenärztlichen Versorgung mit niedergelassenen Vertragsärztinnen und -ärzten vorgesehen, sondern für den Aufbau von Parallelstrukturen – selbständige Ambulatorien und große PVE-Einheiten unpersönlicher Betreibergesellschaften, die außerhalb der bewährten Versorgungslandschaft stehen.“ 

Sparzwänge in den Ländern - Parallelstrukturen im Zentralraum

Vavrovsky dazu weiter: „Solche Nachrichten machen eine schiefe Optik. Während die Bundesländer zunehmend unter Sparzwängen stehen, werden gleichzeitig erhebliche Mittel für Parallelstrukturen im Zentralraum aufgewendet. Die Beiträge der Salzburgerinnen und Salzburger müssen auch in Salzburg ankommen und nicht in anderen Töpfen versickern. Es darf keine Schieflage zwischen den Bundesländern geben – schon gar nicht auf Kosten derer, die das System tragen.“

Salzburg verfügt über einen der höchsten Besetzungsgrade bei Kassenstellen in ganz Österreich. Allein in den letzten zwei Jahren wurden 70 Kassenstellen nachbesetzt und zehn neu besetzt. Die Nachfrage nach Kassenvertragsstellen ist bei den Ärztinnen und Ärzten in Salzburg hoch – die vorhandenen Strukturen funktionieren. Gleichzeitig steigt der Versorgungsdruck: Die Wartezeiten nehmen zu und einen zeitnahen Termin zu bekommen wird für Patientinnen und Patienten immer schwieriger.

Wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung stärken

Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Salzburgs, Vizepräsident Dr. Christoph Fürthauer fordert: „Statt das bestehende, gut funktionierende System zu stärken, fließen Mittel in Parallelstrukturen außerhalb der bewährten kassenärztlichen Versorgung. Es gilt weiterhin, die Bedingungen im bestehenden System zu verbessern, Leistungslimitierungen abzubauen und eine bedarfsorientierte Kassenversorgung zu gewährleisten – damit jedem Menschen in Österreich eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung zur Verfügung steht.“

Die Ärztekammer sieht in der aktuellen Stellenverteilung ein strukturelles Problem, das durch die Zentralisierung des Gesundheitssystems verschärft wird. Die Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) hat Entscheidungskompetenzen und Finanzmittel nach Wien verlagert. Die Folge ist absehbar: Leistung folgt dem Geld. Wenn Mittel zentralisiert werden, wandert auch die Versorgung dorthin ab – auf Kosten der Regionen. Die aktuelle Stellenverteilung ist ein deutliches Beispiel dafür.

Symptome eines zentralisierten Systems

Der Kurienobmann der angestellten Ärzte Salzburgs, Vizepräsident Priv.-Doz. Dr. Jörg Hutter hält dazu fest: „Was wir hier sehen, ist das Symptom eines zentralisierten Systems, in dem regionale Bedürfnisse untergehen. Diese Tendenz kennen wir auch aus dem Spitalsbereich. Wir brauchen regionale Entscheidungskompetenz, die nah an den Patientinnen und Patienten ist.“

Die Ärztekammer für Salzburg wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Versorgung der Salzburger Bevölkerung Priorität hat – und dass die Ressourcen dorthin fließen, wo sie gebraucht werden.