Medizinische Realität wird nicht abgebildet
Statt einer differenzierten ärztlichen Diagnosesprache entsteht der Eindruck einer formalen Codierpflicht mit begrenzter klinischer Aussagekraft.
Fachliche Unschärfen und Abweichungen vom offiziellen ICD-10
Exemplarisch wurde die Codierung von G93.3 (ME/CFS) genannt, die dann lediglich als „chronisches Müdigkeitssyndrom“ geführt wird. Diese Verkürzung entspricht nicht der fachlich korrekten Nomenklatur und verdeutlicht die Problematik einer vereinfachenden Implementierung.
Die Ärzteschaft befürchtet dadurch langfristig einen Verlust an diagnostischer Genauigkeit sowie eine Schwächung des fachlichen Austausches.
Auch technische Umsetzung nicht praxistauglich
Neben fachlichen Aspekten werden erhebliche technische Probleme berichtet:
Der Ordinationsablauf wird verlangsamt
Bereits ein geringer zusätzlicher Zeitaufwand pro Patientenkontakt führt bei hohem Patientendurchsatz zu einer relevanten Mehrbelastung. Zeit, die für administrative Prozesse verwendet wird, fehlt in der unmittelbaren Patientenbetreuung.
Kostenintensive Zusatzmodule nicht gesetzlich vorgeschrieben
Gesetzlich gefordert ist die strukturierte Übermittlung eines ICD-10-Codes. Dennoch bieten einzelne Softwareanbieter kostenpflichtige Zusatzmodule zur Umsetzung der Verpflichtung an.
Viele Kolleginnen und Kollegen bewerten diese Entwicklung als sachlich nicht gerechtfertigt und standespolitisch problematisch.
Unsicherheit bei Abrechnung und Haftung
Zusätzlich besteht erhebliche Unsicherheit hinsichtlich:
Hier wird eine klare und transparente Information erwartet.
Klare Erwartung an die Standesvertretung
Die Rückmeldungen richten eine deutliche Erwartung an die Ärztekammer:
Gefordert werden
Ziel muss eine fachlich korrekte, praxistaugliche und nicht kostenverlagernde Umsetzung sein.
Die Ärztekammer setzt auf konstruktive Gespräche mit dem Gesundheitsministerium und fordert eine Überarbeitung der aktuellen Ausgestaltung im Sinne der Versorgungsrealität.
Denn Dokumentation darf kein Selbstzweck sein – sie muss der Medizin dienen und nicht umgekehrt.