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Salzburger Landtagswahl 2023


Am 23. April 2023 wählte Salzburg einen neuen Landtag. Die gesundheitspolitischen Standpunkte und Pläne der bereits im Landtag vertretenen Parteien finden Sie hier auf einen Blick.

 

SALZBURG – Die Ärztekammer für Salzburg hat den wahlwerbenden, bereits im Landtag vertretenen Parteien gesundheitspolitische Fragen gestellt, um der Ärzteschaft eine Orientierungshilfe zu bieten. Hier sehen Sie die Antworten und somit Pläne der Parteien zu den dringendsten Problemen im Gesundheitswesen – mit direkten Auswirkungen auf Ihre aktuelle und zukünftige Arbeitssituation.

An die Parteien: Sechs Fragen zur Gesundheitspolitik


Wir haben den Parteien ÖVP, SPÖ, FPÖ, GRÜNE und NEOS folgende Fragen gestellt:

1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen?

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitssystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Die Antworten der Parteien

1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen?

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist. Dabei hat sich vor allem der Erhalt und auch Ausbau der regionalen Spitäler bewährt. Unter der Regierungsführung der ÖVP in den letzten 10 Jahren ist es gelungen, die Salzburger Gesundheitsversorgung mit den entsprechenden finanziellen Mitteln auszustatten (über 1 Milliarde Euro vom Landesbudget gehen in die Gesundheitsversorgung). Auch die enge Zusammenarbeit zwischen den Fondskrankenanstalten, dem niedergelassenen Bereich und den privaten Spitälern hat sich bewährt und soll jedenfalls weitergeführt und gestärkt werden. Weitere wichtige Konsequenzen sind beispielsweise:

  • Investitionen in die regionale Gesundheitsversorgung – z. B. KH Mittersill
  • Implementierung einer Infektstation im Uniklinikum Salzburg
  • Anpassung ÖSG an die Lehren aus der Corona-Pandemie mit Adaptierungen des RSG im ambulanten und stationären Bereich

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

Das Thema Gesundheit ist für die ÖVP-Salzburg ein zentrales. Deshalb ist das Wahlprogramm in diesem Bereich auch sehr umfangreich. Eine detaillierte Auflistung findet sich im Wahlprogramm.

Die wichtigsten Eckpfeiler:

  • Absicherung unserer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung
  • Stärkung der niedergelassenen Gesundheitsversorgung
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen unserer MitarbeiterInnen
  • Ausbau der Vorsorgemedizin
  • Adäquate Versorgung im Alter

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

Dieser ist vor allem bedingt durch die demografischen Gegebenheiten

  • mit einer immer älter werdenden Bevölkerung mit multiplen Krankheitsbildern und
  • immer weniger jungen Menschen, die in die Berufswelt eintreten.

Konkret heißt das für unser Gesundheits- und Pflegesystem, dass sich in Relation die Leistungsverdichtung auf zu wenig Personal verteilt.

Maßnahmen Pflege:

Im Bundesland Salzburg wurde als Vorreiter in ganz Österreich deshalb bereits die zweite Plattform Pflege als Zukunftsmodell implementiert. Ca. € 300 Mio. stehen für die Verbesserungen der Rahmenbedingungen in den Pflegeberufen und für die Pflegeausbildung zur Verfügung. Zudem wurden die Ausbildungsplätze in der Pflege verdoppelt.

Maßnahmen Ärzte:

Umsetzung mehrerer Ärztepakete mit finanziellen Verbesserungen. Künftig ist auch bereits ein gemeinsames Projekt mit der Salzburger Ärztekammer zur Attraktivierung der Ärzteausbildung in Umsetzung. Weitere Maßnahmen für den niedergelassenen Bereich:

  • KPJ Allgemeinmedizin, um dem zu erwartenden Mangel an AM entgegenzuwirken.
  • Summer School für Jungmediziner, um ihnen die Tätigkeit niedergelassener Ärzte näher zu bringen.
  • Förderung der Lehrpraxis Allgemeinmedizin und Kinder- und Jugendheilkunde
  • Unterstützung bei der Beantragung von Lehrpraxen und Mentoringprogrammen

Für alle Gesundheitsberufe soll gelten, dass Arbeit über das reguläre Pensionsalter hinweg möglich ist und finanziell attraktiv sein soll. Insbesondere für Auszubildende sollen erfahrene Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stehen und so den Ausbildungsstandort Salzburg attraktiveren.

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitssystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

Ja, hier besteht jedenfalls Handlungsbedarf. Ziel ist, eine vereinfachte, gerechtere und vor allem zielgerechtere Gesundheitsfinanzierung sicherzustellen. Im Zuge der gerade stattfindenden FAG-Verhandlungen wird jedenfalls eine Neustrukturierung der österreichischen Gesundheitsversorgung angestrebt. Dazu wurden dem Bund bereits Vorschläge von den Ländern unterbreitet.

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

Die Ausbildungsspitäler in Salzburg müssen auch künftig für den europäischen JungmedizinerInnen-Arbeitsmarkt attraktiv und konkurrenzfähig gehalten werden. Dazu ist es essentiell, dass die Ausbildungskonzepte dem europäischen Vergleich standhalten. Wir sehen hier insbesondere die Spitäler selbst in der Pflicht tätig zu werden, sichern aber natürlich unsere Unterstützung zu.

Gleichzeitig begrüßen wir die Bestrebungen von Medizin-AbsolventInnen, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Internationale Erfahrung ist ein wichtiger Baustein, um die Spitzenmedizin in Salzburg abzusichern.

Eine Beteiligung bei der Forschungsförderung der PMU soll zusätzlich den Forschungsstandort Salzburg auch für ausländische MedizinerInnen spannend machen – Imigration als Antwort auf Emigration!

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Die Honorierung der KassenärztInnen muss jedenfalls an die aktuellen Gegebenheiten angepasst und auf eine bessere Basis gestellt werden – mit dem Ziel, den ÄrztInnen mehr Zeit für ihre PatientInnen zu ermöglichen. Jungen ÄrztInnen ist zudem die Arbeit im Team enorm wichtig, weshalb auch ein verstärkter Ausbau von Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten mit attraktiven Honorierungsmodellen angestrebt werden soll.

1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen? 

Die Pandemie hat gezeigt: bei der Gesundheit zu sparen ist der falsche Weg. Eine gute medizinische Versorgung darf nicht vom Wohnort abhängen. Wir brauchen unsere regionalen Krankenhäuser, eine flächendeckende hausärztliche sowie notärztliche Versorgung. Vor allem müssen wir den Ärzte- und Pflegekräftemangel wirksam bekämpfen.

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

Medizinische Versorgung darf nicht vom Wohnort abhängen. Wir wollen die flächendeckende hausärztliche Versorgung sichern, regionale Krankenhäuser inkl. Notversorgung stärken. Dazu braucht es attraktive und moderne Praxismodelle für junge Ärzt:innen. Wir fordern Notarztstützpunkte in allen Bezirken sowie auch realistische Personalschlüssel in Krankenanstalten bei Ärzt:innen und Pflege.

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

Der Pflegepersonalbedarf wurde 2012 prognostiziert und von der ÖVP-geführten Landesregierung bis zur Pandemie verschlafen. Die Lücken sind dem Sparkurs der Landesregierung, aber auch der fehlenden öffentlichen Medizin Universität (Linz erhielt den Zuschlag) geschuldet. Es wird differenzierte Lösungsansätze brauchen, vor allem aber echte Ausbildungsoffensiven in beiden Bereichen, flexiblere Arbeitszeiten (v.a. für Frauen) attraktive Arbeitsbedingungen, Entlastungen im administrativen Bereich, Ausbau der Kinderbetreuung etc.

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitssystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

Politik ist dazu da, an den Systemen zu arbeiten und nicht in den Systemen. D.h. da wo ein System nicht mehr funktioniert oder zeitgemäß ist, müssen Verbesserungen erarbeitet oder neu entwickeln werden. Hier sind Bund und Länder gefragt. Stärkung der Hausärzte (z.B. SIA-Projekt, Mindestzahl der Allgemeinmediziner-Ausbildungsstellen im S.KAG festschreiben) wäre eine Entlastungsmaßnahme.

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

Die Gründe der Abwanderung sind vielfältig. Junge Ärzt:Innen brauchen Perspektiven, aber auch attraktive, familienfreundliche Arbeits- und Rahmenbedingungen. Moderne Forschungsinfrastruktur und Weiterbildungsmöglichkeiten tragen zur Standortattraktivität bei. Anreiz bietet auch eine attraktive Ausbildungsqualität in den Kliniken, die durch ein gutes Management und die Zusammenarbeit mit den Ärzt:Innen positiv beeinflusst werden.

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Ursachen sind vielfältig, z.B. Kassenärzte haben zu wenig Zeit für Patient:innen, müssen vorgegebene Öffnungszeiten einhalten, etc..  Wahlärzt:innen hingegen haben keine Vorgaben zu Öffnungszeiten, Bereitschaftsdiensten, mehr Zeit für Patient:innen etc.

Daher Kassenverträge attraktiveren, Verbesserung der Honorarsituation, gleichzeitig Wahlärzt:innen mehr in die Pflicht nehmen.

1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen?

Viele Entscheidungen in der Pandemie wurden aus politischen Erwägungen getroffen. Das Herunterfahren des Gesundheitssystems hat ungeahnte Kollateralschäden bezüglich der Behandlung von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen nach sich gezogen, die in krassem Missverhältnis zum Nutzen der Maßnahmen stehen. Das Gesetz Impfpflicht war ein Rohrkrepierer. Sogar die Virologin Dorothea von Laer gab andere Empfehlung ab, als die Maßnahmen, die dann im Gesetz beschlossen worden waren und es wurde niemals angewendet [sic!]. Solche Aktionen erschüttern das Vertrauen der Bevölkerung in die Gesundheitspolitik.

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

Wir plädieren generell für eine Entpolitisierung der Medizin. Wir stehen für eine Aufwertung des Pflegeberufes und für Verbesserungen im niedergelassenen Bereich, die seit Jahren nur politische Lippenbekenntnisse sind.

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

Dass in der Pflege zu wenig Personen ausgebildet werden, wird seit Jahren von der Politik ignoriert. Jetzt stehen wir vor einer Situation, dass wir bereits in einem Pflegekollaps sind. Die Coronakrise hat viele motivierte Pflegekräfte aus dem Beruf vertrieben. Eine Ausbildungsoffensive muss sofort beginnen, damit sich in etwa 2 Jahren die Situation entspannen kann. Für Pflegekräfte, die nicht mehr arbeiten wollen, brauchen wir attraktive Angebote, damit sie wieder in ihren Beruf zurückkommen wollen.

Die Pensionierungswelle im ärztlichen Bereich war schon seit Jahrzehnten absehbar, aber es wurde nichts unternommen. Jetzt gilt es, die Bedingungen für Ärzte, die noch da sind zu verbessern, damit sie die politischen Versäumnisse der letzten Zeit kompensieren. Durch attraktivere Verträge im niedergelassenen Bereich könnte man mehr Ärzte dazu motivieren, in die Praxen zu gehen.

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitsystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

In unserem Land werden Arztpraxen von den Krankenversicherungen, die Landesspitäler vom Land und die Universitätskliniken vom Bund finanziert. Diese Mehrgleisigkeit führt zu einer völlig unübersichtlichen Finanzierung. Es muss endlich ein übergeordnetes Gremium geschaffen werden, um die Verteilung der Leistungen besser koordinieren zu können.

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

Es ist leider ein Faktum, dass etwa ein Drittel unserer Medizinstudienabgänger nach dem Studium nicht in Österreich arbeiten. Das ist sehr schmerzlich und dieses Drittel fehlt dem Land. Die Gründe sind bessere Bezahlung, bessere Ausbildungsmöglichkeiten und bessere Arbeitsbedingungen. In diesen drei Gründen für die Emigration besteht die Korrekturmöglichkeit.

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Wie bereits angeführt, müssen die Rahmenbedingungen für die Niederlassung verbessert werden. Den Ankündigungen müssen endlich Taten folgen. Im Jahr 2019 wurde von allen Fachgruppen ein moderner Leistungskatalog erarbeitet.

Leider verstaubt dieser Katalog seitdem in irgendwelchen Schubladen. Dem Wunsch für flexible Arbeitszeitmodelle im niedergelassen Bereich sollte stärker entsprochen werden.

 1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen?

  • Die Schulschließungen waren, im Nachhinein betrachtet, überschießend. Kinder und Jugendliche waren nicht die Treiber der Pandemie. Heimunterricht und fehlende Kontakte hatten aber enorme Folgen: mehr Übergewicht, Depressionen, Suizidgedanken. Die Konsequenz daraus muss jetzt sein, die psychosoziale Versorgung, die schon vor der Pandemie brüchig war, auszubauen. 
  • Thema Impfen: Die nicht umgesetzte Impfpflicht, sowie der Lockdown für Ungeimpfte haben zu einer gesellschaftlichen Spaltung geführt. Hier wäre mehr Sensibilität notwendig gewesen. Es braucht eine bessere und unaufgeregte Aufklärung zum Thema Risiko und Wirkung von Impfungen. 
  • Thema Wissenschafts-Skepsis: Die Wissenschafts-Skepsis hat sich in der Bevölkerung leider weit verbreitet. Auch hier müssen wir Akzente setzen, um wieder gegenzusteuern. 

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

Wir setzen uns für einen chancengleichen Zugang zum medizinischen System ein. Einkommen, Bildungsstand, Geschlecht oder Wohnort dürfen nicht darüber bestimmen, ob Menschen gesund leben können. Der niedergelassene Bereich muss als Rückgrat der Versorgung gestärkt werden - Stichwort Primärversorgungseinrichtungen. Psychische Erkrankungen müssen mehr Beachtung finden und es braucht mehr Angebote – vor allem für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus gilt es, stärker in die Vorsorge zu investieren, um weg von der „Reparaturmedizin“ zu kommen. In die Vorsorge muss wesentlich mehr Geld fließen. Im Bereich Pflege fordern wir eine Pflegestrategie 2030 und setzen uns für ein neues Pflegegesetz ein – ebenso wie für eine Attraktivierung der Pflegeberufe, bessere Arbeitsbedingungen und eine Ausbildungsoffensive. Pflegende Angehörige gilt es rasch und spürbar zu entlasten und es braucht auch einen Ausbau der mobilen und stationären Hospiz- und Palliativversorgung. Auf Bundesebene setzen wir uns für den Ausbau der E-Medikation ein.

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

Treiber der Personalprobleme in den Gesundheitsberufen waren schon vor Corona der demographische Wandel und die Arbeitsbedingungen. Durch die Corona-Pandemie, die viele Menschen in Gesundheitsberufen an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht hat, wurde die Situation weiter verschärft.

Für das Pflegepersonal fordern wir verlässliche Dienstpläne und Freizeitanspruch, Kinderbetreuung im Haus und altersgerechte Arbeitszeitmodelle. Dann wird man auch älteres Pflegepersonal halten bzw. wieder zurückgewinnen können. Wir werden uns außerdem so schnell wie möglich um Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Raum bemühen und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse vereinfachen müssen. Um die Lücken in der ärztlichen Versorgung zu schließen, braucht es mehr Ausbildungsplätze. Die Arbeitsbedingungen müssen außerdem so gestaltet sein, dass sich die jungen Mediziner*innen wohlfühlen und gerne in Österreich arbeiten. Hier spielt zum Beispiel Familienfreundlichkeit eine immer größer werdende Rolle. Für diese unterschiedlichen Maßnahmen wird es im Land Salzburg mittel- und langfristig eine weitere Erhöhung des Budgets für den Gesundheits- und Pflegesektor brauchen. Schon 2023 werden 30 Prozent des Landesbudgets (mehr als 1 Mrd. Euro) in das Gesundheitssystem investiert, weitere 16 Prozent in den Sozialbereich – davon knapp die Hälfte in Pflege und Betreuung. 

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitssystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

Wie komplex die Finanzierung ist, wurde in der COVID-Pandemie besonders sichtbar. Es ist an der Zeit, zusammen mit Expert*innen auszuarbeiten, wie das in Zukunft gehandhabt werden soll, damit das Gesundheitssystem für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte bestmöglich gerüstet ist. Im Sinne der Transparenz muss es gelingen die Abläufe im Gesundheitssystem so darzustellen, dass sie auch von nicht Expert*innen nachvollzogen werden könnten. Nur dann wird es gelingen, das Interesse auch einer größeren Gruppe als den tatsächlich „Eingeweihten“ zu wecken. 

Dazu braucht es einen ehrlichen und konstruktiven Dialog zwischen den verschiedenen Playern und Ebenen und deren Offenheit für Veränderung. Im Vordergrund muss die Gesundheit und die optimale Versorgung der Patient*innen stehen. 

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

Viele Absolvent*innen verlassen Österreich, weil sie in anderen Ländern bessere Rahmenbedingungen vorfinden. Darauf mit einer Berufspflicht für Studienabgänger*innen zu reagieren, halten wir für verfehlt. Es braucht bessere Arbeitsbedingungen mit einer flächendeckend hohen Qualität in der Ausbildung – dann wird man die Absolvent*innen auch nicht an andere Länder verlieren. Verbesserungen wird es mit dem Ausbau der Primärversorgungszentren geben. Durch das gemeinschaftliche Arbeiten im Team und flexiblere Arbeitszeiten bieten sie attraktive Arbeitsbedingungen. Das wird auch die Spitäler spürbar entlasten.

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Für Mediziner*innen sind Kassenstellen derzeit weniger attraktiv als Wahlarztpraxen – und das nicht nur finanziell. Das schreckt vor allem junge Absolvent*innen ab. Beklagt wird unter anderem, dass Kassenärzt*innen zu wenig Zeit für die Betreuung der Patient*innen zur Verfügung haben – vor allem im ländlichen Raum, wo das System ohnehin recht ausgedünnt ist. Auch vorgeschriebene Mindestöffnungszeiten würden die Tätigkeit für viele unattraktiv machen. Klar ist, dass die Versorgung derzeit nicht überall sichergestellt werden kann. Das muss sich ändern, weshalb uns auch der rasche Ausbau der PVEs so wichtig ist.

1. Welche Lehren zieht Ihre Partei hinsichtlich des Gesundheitswesens aus der Pandemie und was sind die wichtigsten Konsequenzen?

Die meisten Forderungen sind leider die gleichen wie vor der Pandemie, diese hat nur bisherige Probleme verstärkt. Unsere Kernforderungen sind daher sehr ähnlich zu vor der Pandemie:

  • Mehr Gesundheitskompetenz
  • Bessere Orientierung im Gesundheitssystem
  • Bessere Arbeitsbedingungen im KH und niedergelassenen Bereich
  • Psychische Gesundheit als Teil von Gesundheit wahrnehmen
  • Bessere Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe

2. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte setzt das Wahlprogramm Ihrer Partei?

  1. mit entsprechenden Anreizsystemen das Gesundheitsbewusstsein durch Präventionsprogramme fördern
  2. massive Anstrengungen gegen Pflegekräftemangel und Ärztemangel
    1. Pflegekräfte: schnellere Nostrifizierungsverfahren
    2. Ärzte: Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen
  3. Finanzierung aus einer Hand und bessere Abwicklung von ambulant vor stationär
  4. Ausbau niederschwelliger Anlaufstellen wie Community Nurses Attraktivierung des PVE-Vertrags, Rückfluss der SGKK-Rücklagen und Förderung aller Einzel- und Gruppenpraxen.

3. Was sind nach Ihrer Meinung die Ursachen für den Pflegedienstmangel und für die Lücken in der ärztlichen Versorgung? Wie korrigieren Sie die von Ihnen analysierten Ursachen, mit welchem Zeithorizont und mit welchen Aufwendungen (für beide Berufsgruppen getrennt)?

Gründe:

Zur Pflege:

  • Demographie, Menschen werden älter
  • Pflegeberufe gelten als unattraktiv, werden schlechtgeredet
  • Finanzierung aus 2 Händen

Zur Medizin

  • Zu wenige Absolventen bleiben in Österreich
  • Überarbeitung von Ärzten, weil kaum Aufgaben abgegeben werden können
  • Leistungskataloge der Kassen führen zu Zwang, viele Patienten schnell abzuarbeiten – reduziert den zwischenmenschlichen Aspekt der Medizin und macht die Arbeit daher unbefriedigend

Maßnahmen Pflege:

  • Beruf muss attraktiver gemacht werden
  • Ausweitung der Befugnisse von qualifizierten Pflegekräften
  • Bundesweit einheitlicher Pflegeschlüssel und klarer Pflegestandard sowie Vereinheitlichung der Ausbildungsmöglichkeiten
  • mehr Generationenwohngemeinschaften

Maßnahmen Medizin:

  • Anreize schaffen, in Ö tätig zu werden (Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessern
  • Mehr kooperative Arbeitsmodelle, um z.B. Teilzeit zu ermöglichen – Gruppenpraxen, PVzE etc.
  • Modernisierung der Ausbildungen, um auch mehr Spezialisierung zu erlauben.

4. Die Finanzierung des österreichischen Gesundheitsystems zeichnet sich durch extreme Komplexität und Unübersichtlichkeit aus. Besteht hier Handlungsbedarf? Wenn ja, was sind Ihre Vorschläge?

Ja!Gesundheit und Pflege gehören gemeinsam gedacht, ebenso wie niedergelassener und stationärer Bereich. Wir brauchen daher eine Finanzierung aus einer Hand – nur so kann Gesundheit endlich als die gesamtstaatliche Verantwortung gelebt werden, die sie ist.

Wir NEOS fordern eine ganzheitliche, transparente Struktur, in der ein abgestimmtes interdisziplinäres Gesundheits- und Pflegeangebot für alle Salzburger bereitgestellt wird. Damit können teure Doppelgleisigkeiten bereinigt werden.

5. Ein erheblicher Anteil auch österreichischer StudienabgängerInnen von heimischen medizinischen Universitäten wechselt zur Ausbildung ins Ausland. Was sind für Sie die Gründe dieser Emigration aus unserem Gesundheitssystem? Sehen Sie hier Korrekturbedarf? Wenn ja, welchen?

Grundsätzlich gibt es genug Ärzte, mehr Studienplätze sind keine ausreichende Lösung gegen den Ärztemangel. Für die starke Abwanderung spielen eine unzulängliche Ausbildung und die wenig attraktiven Arbeitsbedingungen im KH eine wesentliche Rolle. Viele Krankenhäuser verwenden Ausbildungsärzte permanent als Springer und für lange Dienste, die sonst ungerne gemacht werden. Auch im niedergelassenen Bereich sind die Sozialversicherung und Land gefordert, die Bedingungen zu verbessern. Ansätze wären faire Honorierung ärztlicher Leistungen, weniger Bürokratie, um Studierende frühestmöglich an das Berufsbild heranzuführen und Unterstützung bei der Praxisgründung.

6. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte sind bereit Sozialversicherungsverträge zu übernehmen und als KassenärztInnen zu wirken. Was denken Sie, ist die Ursache dafür und wie wollen Sie darauf reagieren?

Die Zahl der niedergelassenen Vertragsärzte entwickelt sich langsamer als das Bevölkerungswachstum. Gleichzeitig haben Kassenärzte wegen der leistungsorientierten Finanzierung oft Druck, viele Patienten zu behandeln – strukturierte Versorgung beispielsweise spielt de facto keine Rolle. Das entfremdet von Patienten und macht den Beruf unattraktiver. Wir brauchen daher Kassenverträge, die Ärzten Zeit für Patienten erlauben, Diagnosen erfassen und für die Ärzte, die es nicht wollen, auch Kassentätigkeit erlauben, ohne selbst Unternehmer zu sein.