Leitartikel

Die Wahl des Präsidenten der ÖÄK ist geschlagen – das Präsidium bestellt. So weit, so gut? Bis zum Schluss habe ich gewartet, aber selbst beim Tageordnungspunkt „Allfälliges“ in der Vollversammlung wart ihr keiner Erwähnung wert. Um dies aus meinem Mund nicht im Raum der Veranstaltung verhallen zu lassen, nun auf diesem „öffentlichen“ gedruckten Weg. Wo ist die Repräsentanz der Kolleginnen? Und das ist nicht gegendert.

Noch nie – wieso denn plötzlich im Jahr 2022 – hat man einen Gedanken daran verschwendet, in das höchste Gremium der ÖÄK eine Kollegin zu berufen. Mag sein, dass dies in der Satzung nicht vorgesehen ist – diese kann geändert werden.

Das auch altbekannte, ebenfalls bei der Veranstaltung gehörte Argument, dass Frau sein noch kein Kriterium und das Interesse zu gering sei, greift zu kurz. Mein Berufsalltag lehrt mich anderes. Den Arbeitgebern werfen wir vor, auf „work-life balance“ zu wenig Rücksicht zu nehmen und wissen sehr wohl, dass eine höhere Kammerfunktion häufig an der „work-family-balance“ scheitert. Selbst im griechischen Olymp wart ihr paritätisch und stark vertreten.

Aber vielleicht gibt es anlässlich der Vollversammlung im Dezember ein Weihnachtswunder, ich würde mich angesichts der erfreulich engagierten Kolleginnen in der Vollversammlung freuen.

Pech gehabt, liebe Kolleginnen, eine wichtige Kammerfunktion ist zwar ordentlich dotiert, aber häufig genauso schlecht mit dem restlichen Leben vereinbar wie der Berufsalltag. Reflexion in diesen Punkten täte uns allen gut. Die, die es in Kurien und die Vollversammlung geschafft haben: Freut euch über die Brotsamen, die vom Tisch des Präsidiums zu euch herabfallen.

Also, liebe 50 % der Ärzteschaft, lasst eure Interessen weiter durch Männer vertreten, denn wir können das viel besser und haben das seit 1891 (Billroth „schau oba“) bewiesen.

Aber vielleicht gibt es anlässlich der Vollversammlung im Dezember ein Weihnachtswunder, ich würde mich angesichts der erfreulich engagierten Kolleginnen in der Vollversammlung freuen.

Mit kollegialen Grüßen

Ihr VP Priv.-Doz. Dr. Jörg Hutter

Kurienobmann der angestellten Ärzte
in der Ärztekammer für Salzburg