Reform braucht die richtige Diagnose

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Zur Position der Ärztekammer Salzburg im Reformprozess „Zukunft Gesundheit“.

Die Ärztekammer für Salzburg begrüßt den von der Landesregierung am 12. Mai 2026 vorgestellten Reformprozess „Zukunft Gesundheit“ grundsätzlich. Dass Salzburg seine Gesundheitsversorgung mit einem strukturierten, langfristigen Prozess weiterentwickeln will, ist der richtige Weg. Entscheidend wird sein, in welche Richtung er führt.

Bei einem Reformprozess dieser Tragweite ist es sachgerecht, ärztliche Expertise von Beginn an einzubinden. Die fachliche Diagnose der zugrundeliegenden Probleme muss aus der medizinischen Realität heraus erfolgen – nicht aus der Budgetlogik.

Trägheit ist keine Diagnose, sondern ein Symptom


Das Reformprojekt beschreibt das Gesundheitssystem unter anderem als „träge“. In der medizinischen Praxis ist Trägheit aber nie eine Diagnose – sie ist ein Symptom. Wer einem erschöpften, übergewichtigen Patienten reflexartig eine Disziplin-Kur verordnet, übersieht möglicherweise eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere zugrundeliegende Ursachen. Die Kur wirkt dann nicht, weil die Diagnose falsch gestellt war.

Dasselbe gilt für das Gesundheitssystem. Die Salzburger Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Gesundheitsberufe halten das System unter enormem Druck am Laufen. Was als „Trägheit“ wahrgenommen wird, sind in Wahrheit strukturelle Herausforderungen und bürokratische Hürden im niedergelassenen Bereich, anhaltender Personalmangel in Spitalsmedizin und Pflege, unterinvestierte digitale Infrastruktur, ungelöste Schnittstellen zwischen den Versorgungsebenen – und nicht selten Vorgaben, die der Praxis Spielräume nehmen, statt sie zu eröffnen. Das sind keine reinen Effizienzprobleme.

Daraus ergibt sich ein klarer Anspruch: Reformen dürfen nicht von politisch vorgegebenen Einsparungszielen her definiert werden. Ausgangspunkt müssen sachlich begründete, strukturell sinnvolle Maßnahmen sein, die nachhaltige Verbesserungen bei Qualität, Effizienz und Versorgungssicherheit ermöglichen. Solche Veränderungen können zunächst Investitionen erfordern – wenn sie mittel- und langfristig zu besseren Abläufen und einem wirtschaftlicheren Ressourceneinsatz führen. In einem System, das vielerorts an der Belastungsgrenze arbeitet, bergen überhastete und rein kostengetriebene Eingriffe erhebliche Risiken für die Stabilität der Versorgung.

Damit liegt die Kernfrage auf der Hand: Eine Effizienzkur senkt heute Kosten und morgen die Versorgungsqualität. Eine ehrliche Reform investiert heute und sichert morgen Qualität – für Patientinnen und Patienten und für die Menschen, die im System arbeiten. Vor dieser Entscheidung steht „Zukunft Gesundheit“, und an ihr wird sich der Prozess messen lassen müssen.

Was vom Koordinator des Prozesses erwartet wird


Dr. Franz Harnoncourt hat in seiner Antrittspressekonferenz die Förderung der „Vernetzung zwischen den Krankenanstalten“ als zentrales Anliegen formuliert. Die Ärztekammer teilt dieses Ziel und erweitert es: Vernetzung muss alle Versorgungsebenen umfassen, vom niedergelassenen Bereich bis zur hochspezialisierten Spitalsmedizin.

Die entscheidende Erwartung: Der Koordinator möge die Realität in Salzburgs Spitälern, Ordinationen und Pflegeeinrichtungen aufgreifen und ernst nehmen – und nicht eine weitere Stelle werden, von der Vorgaben auf die Praxis aufgedrückt werden. Ein guter Reformprozess wird von der Praxis aus gedacht, nicht über sie hinweg.

Die Salzburger Ärzteschaft bringt ihre fachliche Expertise und die klinische Wirklichkeit gerne in diesen Prozess ein. Wenn „Zukunft Gesundheit“ die Potenziale unseres Gesundheitssystems tatsächlich hebt, hat dieser Prozess die volle Unterstützung der Ärztekammer für Salzburg.

Dr. Matthias Vavrovsky

Präsident der Ärztekammer für Salzburg