Leitartikel

In der Kammerumfrage unter den Spitalsärztinnen und Spitalsärzten in Salzburg können wir erfreut feststellen, dass ein sehr hoher Anteil der Kolleginnen und Kollegen Wertschätzung von den Patientinnen und Patienten erfährt. Dies ist gut so und wichtig, da es jeden Tag Antrieb für unser Handeln im Sinne der Patientinnen und Patienten ist. Mindestens genauso wichtig ist dies jedoch auch, um die kaum wahrgenommene Wertschätzung durch Vorgesetzte und Arbeitgeber *innen zu kompensieren, die am Ende der Skala rangiert.

Der Begriff Wertschätzung wird heute vielfach inflationär verwendet. Einerseits drücken wir unsere Wertschätzung gegenüber anderen aus, andererseits wollen wir wertgeschätzt werden. Dies definiert jedoch nicht, was echte Wertschätzung ist.

Die Coronakrise und der Umgang damit ist ein gutes Beispiel, wie man Wertschätzung ausdrücken kann, beziehungsweise auch, was man falsch machen kann. Zu glauben, dass man mit Worten des Dankes und einem Geldbetrag das Thema abhandeln kann, greift zu kurz. Die versprochenen 500 € mögen ein schöner Betrag der Wertschätzung sein, wird jedoch durch den für sich selbst zugedachten 110-fachen Betrag für „Mehrarbeit“ einer Führungskraft konterkariert.

Vielleicht ist es der Unterschied, wie Wertschätzung ausgedrückt wird. Es sind die kleinen Zeichen des Danks unserer Patientinnen und Patienten, die täglichen großen und kleinen Erfolge, die auch mit Misserfolgen einhergehen, die unsere Zufriedenheit im Berufsleben ausmachen.

Wertschätzung ist eine Haltung – nicht nur ein Lippenbekenntnis. Voraussetzung dafür ist aber auch, die Bedürfnisse des anderen zu kennen. Der ehrliche Umgang mit Arbeitsbelastung beispielsweise, das gelebte Verständnis und die Reaktion
auf Geleistetes.

Das wiederholte verbale auf die Schulterklopfen durch die Führung muss sich in der Realität in der Reduktion der Arbeitsbelastung widerspiegeln, um als echte Wertschätzung anzukommen. Gelebt wahrgenommen werden jedoch Arbeitsverdichtung und Uraltrezepte (Stichwort: Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz), um dem Personalmangel im ärztlichen Bereich zu begegnen.

Ins Stammbuch sei geschrieben: „Ein Mensch, der sich geschätzt fühlt, wird immer mehr tun, als erwartet!“

Mit kollegialen Grüßen
 

Ihr  Priv.-Doz. Dr. Jörg Hutter

Vizepräsident der Ärztekammer für Salzburg