Leitartikel

Seit nunmehr übereinem  halben Jahr beherrscht das Coronavirus gesellschaftliche Aktivitäten global. Naturgemäß ist eine Pandemie gerade für ein Gesundheitswesen und seine Akteure eine ganz exorbitante Herausforderung. Unerwartet und leider auch unvorbereitet wurde unser Gesundheitswesen - so, wie allerdings nahezu alle anderen weltweit auch - am Anfang des Jahres 2020 getroffen. Der Verlauf und die Prognosen zeigen, dass es für umfassende Analysen und Verbesserungserfordernisse wohl noch zu früh ist. Aber unbestritten verfügen wir über viele Erfahrungen aus den letzten Monaten.

Zentral in diesem  Rückblick ist die unzweifelhafte Tatsache, dass alle Strukturen unseres Gesundheitswesens ihre bisherigen Aufgaben mit hohem Engagement und Sachkenntnis erbracht haben. Leider können wir damit nicht zufrieden sein, denn in den kommenden Monaten erwarten uns insbesondere in der Kombination aus der Grippesaison und dem Fortbestand der Coronapandemie vielfältige neue Herausforderungen, die nicht zuletzt quantitativer sein werden.

Die Strukturen in den Krankenhäusern wurden zwischenzeitlich mehr oder weniger angepasst. Die wohl zurecht kritisierte Vernachlässigung von „Non-Covid-Patienten“ ist wieder weitgehend korrigiert. Aber es würde nicht reichen, wenn sich nur Spitäler rüsteten. Es braucht jedenfalls auch den niedergelassenen Bereich zur Bewältigung der Herausforderungen. Die besonderen Bedingungen dieser Epidemie erzwingen allerdings auch im extramuralen Bereich strukturelle und prozessuale Anpassungen.

Die nötigen organisatorischen Anpassungen an die Pandemiesituation werden sich nach jeweiliger Gegebenheit richten und bleiben in der Verantwortung der Ordinationsbetreiber. Hilfen dazu wurden in den letzten Monaten im Zusammenwirken mit unseren Partnern von der Standesvertretung konzipiert. So werden niedergelassene Kolleginnen und Kollegen auf die Möglichkeit von CoV-Visitenteams ebenso zugreifen können, wie auf Aufträge für Abstrichnahmen im häuslichen Setting und in Form von Drive-ins. In der Stadt Salzburg werden niedergelassene Kolleginnen und Kollegen bei Bedarf die Möglichkeit haben, nach telefonischer Konsultation bei symptomatischem Coronaverdacht und Abklärungsbedarf einer Infektordination zuzuweisen. Außerhalb der Stadt Salzburg soll dies durch geeignete Zeitplanung und Organisation der Ordinationen ebendort stattfinden.

Aus heutiger Sicht werden wir in unserem Bundesland die für die Differenzialdiagnose notwendige Testfrequenz zur Verfügung haben und auch die Versorgung mit Schutzausrüstung sollte deutlich gebessert sein. Allerdings muss auch an dieser Stelle auf die Eigenverantwortung der Ordinationsbetreiber für die MitarbeiterInnen, die PatientInnen und für sich selbst hingewiesen werden.

Längerfristige Prognosen zu dieser Epidemie sind nicht verfügbar. Aus heutiger Sicht allerdings ist Salzburg auf die neue Herausforderung gut vorbereitet. Wir gehen davon aus, dass das in dieser Ausgabe dargestellte Angebot der differenzierten Organisationswirklichkeit entspricht und mithilft, eine sichere Patientenversorgung in den nächsten Monaten zu gewährleisten.
 

Mit kollegialen Grüßen
Bleiben Sie und Ihre Familien gesund!

Ihr Dr. Karl Forstner,

Präsident der Ärztekammer für Salzburg