Leitartikel

 

 

Was, in aller Welt, ist mit der Ärztekammer los? Seit „Menschengedenken" ist es immer wieder etwa bei Honorarverhandlungen aber auch bei der zunehmenden Bürokratisierung zu durchaus fleischigen Auseinandersetzungen mit der Gebietskrankenkasse gekommen.

Und warum stellt sich die Salzburger Ärztekammer nun schützend vor diese SGKK anlässlich der Regierungspläne eines fundamentalen Umbaus des Sozialversicherungswesens? Seien diese Reformen nicht endlich das, was man sich in dem „Wildwuchs" der österreichischen Sozialversicherungsträger wünschen sollte?

Mit diesen Fragen und Positionierungen auch von Kolleginnen und Kollegen ist die Salzburger Ärztekammer derzeit immer wieder konfrontiert. Natürlich sind Reformen unseres Sozialversicherungswesens notwendig und längst überfällig. Aber was bedeutet nunmehr Zentralisierung von Beitragseinhebung und Entscheidungshoheit in einer von unserem Bundesland distanten Zentrale? Die Antwort ist für Salzburg nicht erfreulich. So gehen etwa unserem Gesundheitssystem durch Umverteilung der Salzburger Versicherungsbeiträge und durch weitere absehbare Maßnahmen der Regierung nach Einschätzung der SGKK pro Jahr ca. € 30 Mio. verloren. Dieses Geld wird merkbar in unserem Salzburger Gesundheitssystem mit Auswirkungen auf die Leistungsbezieher und Leistungserbringer fehlen. Unter diesen Bedingungen wird absehbar ein in Aussicht genommener österreichsicher Gesamtvertrag für unsere Vertragsärzte nicht mehr das Niveau des bisherigen Konstruktes erreichen. Dies zu verhindern ist nicht nur das Wollen der Salzburger Ärztekammer, sondern es ist auch ihr gesetzlicher Auftrag, die Ärzteschaft in wirtschaftlichen Dingen standespolitisch zu vertreten. Es wird aber nicht die Salzburger Ärztekammer sein, die darüber entscheidet, ob bisherige Vertragsärzte auch unter diesen neuen Bedingungen im sozialen System weiterarbeiten wollen, sondern selbstverständlich die Entscheidung jedes Einzelnen.

Die Salzburger Ärztekammer wird auch unter aufgezwungenen neuen Verhältnissen versuchen, möglichst attraktive Bedingungen für Jungärzte zu schaffen und Kassenverträge zu übernehmen. Aber auch hier wird es die nachrückende Generation von Ärztinnen und Ärzten sein, die sich für oder gegen dieses System entscheidet.

Das heute mit viel Engagement aller Beteiligten in unserem Bundesland bestehende Versorgungsniveau ist fraglos auch angesichts des Ärztemangels labil. Verschlechterungen – und dies ist unsere Befürchtung – werden es gefährden. Damit steht nicht mehr und nicht weniger in Frage, als eine der zentralen Säulen unserer Gesellschaft – ein niederschwellig zugängliches, qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem für alle Österreicherinnen und Österreicher. Die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen wird unbeeindruckt bleiben von Entscheidungen der Regierung, aber absehbare Verschlechterungen im kassenärztlichen Sektor werden zwangsläufig zu weiteren Überlastungen von Spitalsambulanten und zum Ausweichen in den privaten Sektor führen. Zumindest mittel- und langfristig wird diese Nachfrage nach privaten Leistungen für die Ärzteschaft ökonomisch kein Nachteil sein, aber diese dann wirklich etablierte Zweiklassenmedizin wird unsere Gesellschaft verändern und dies nicht zum Besseren.

Wir wollen die österreichische Politik hinsichtlich dieser Umbauprozesse an ihren Ergebnissen messen. Die Salzburger Ärztekammer will aber nicht versäumen, unmissverständlich klar zu machen, dass Verschlechterungen von Einkommens- und Arbeitsbedingungen für unsere Ärzteschaft Folgen haben würden. Denn letztlich wird jeder einzelne Vertragsarzt, jeder potentielle Bewerber für eine Kassenstelle entscheiden, ob er oder sie unter den neuen Bedingungen im sozialen System engagiert sein will und dies ist die Nagelprobe für jede Reform..

 

Ihr Dr. Karl Forstner,
Präsident der Ärztekammer für Salzburg