Leitartikel

 

 

Die Nationalratswahlen sind geschlagen und viele finden, dass es auch Zeit war. Im Wahlkampf standen Themen des Gesundheitswesens – immerhin ein für unsere Bevölkerung zentrales Politikfeld  – nicht an prominenter Stelle. Freilich, die Kassenstruktur stand und steht wohl auch in den Koalitionsverhandlungen zur Diskussion. Aber wenn wir  auch nicht verkennen, dass es in dieser Republik keine „heiligen Kühe" geben kann, ist die Kassenstruktur zweifelsfrei  nicht das führende Problem unseres Gesundheitssystems. Wir erwarten uns vielmehr ein klares Bekenntnis zum hochwertigen und weiterhin sozialen Angebot der medizinischen Versorgung in unserem Land.

Diskussionsbeiträge, die im Gesundheitswesen vorrangig ein Einsparungspotenzial lokalisieren, verfehlen mit Sicherheit diese Zielsetzung. Zweifelsfrei  besteht aber erheblicher Reformbedarf.

Primärversorgung muss man nicht nur wollen, man muss diesem Bereich auch tätig die Möglichkeit schaffen, sich weiter zu entwickeln  und noch stärker als bisher eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung zuordnen. Um dies sicherzustellen, bedarf es zunächst zweifelsfrei attraktiver Angebote in diesem Bereich. Leistungskataloge müssen den Erfordernissen moderner  Medizin angepasst werden. Die Anstellung von Ärzten bei Ärzten muss Wirklichkeit werden. Allgemeinmedizin muss insgesamt eine Aufwertung erfahren. Wer Spitalsambulanzen entlasten will, muss für ausreichende Angebote auch im fachärztlichen Bereich sorgen. Dafür braucht es genügend und vor allem gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte, die sich unseren sozialen Versorgungsstrukturen zur Verfügung stellen. Es muss den politischen  Verantwortungsträgern klar sein, dass dieses Ziel nur mit Engagement und Initiative im Ausbildungsbereich erreichbar sein wird.

Dies sind nur einige Beispiele, die wir  uns als Inhalt von Regierungsverhandlungen wünschen und im Wissen um ihre Notwendigkeit auch fordern.

Manches können wir auch in unserem Bundesland unabhängig von der Bundespolitik erreichen.  So ist es zweifelsfrei ein Erfolg für die Salzburger Gesundheitspolitik, die Sozialversicherung und die Ärztekammer, ein flächendeckendes Konzept der Lehrpraxis vereinbart zu haben. Damit können bereits ab 2018 die ersten Lehrpraktikanten dieses fundamental wichtige Segment der Ausbildung in Salzburg absolvieren. Wir sind in Salzburg auf einem guten Weg, den Gesamtvertrag mit der Sozialversicherung weiter zu entwickeln. Aber gerade weil wir im Zusammenwirken mit unseren Partnern erfolgreiche Schritte setzen, wehren wir uns gegen Zentralisierungstendenzen, wie sie auch in politischen Überlegungen immer wieder auftauchen.

 

Konzepte, die in ihrem Vorstellunghorizont an Wiener Stadtgrenzen enden, sind für Salzburg ungeeignet.

 

"Wir erwarten uns ein klares Bekenntnis zum hochwertigen und weiterhin sozialen Angebot der medizinischen Versorgung in unserem Land."

 

 

Ihr Präsident
Dr. Karl Forstner
Ärztekammer für Salzburg