Leitartikel

 


 

Wer in Salzburgs Spitälern unterwegs ist, kann vielerorts umfangreiche Bautätigkeiten gar nicht übersehen und weitere seien bereits in Planung. Hier wird zweifelsfrei viel Geld von der öffentlichen Hand in unser Gesundheitssystem investiert. Umso erstaunlicher ist, dass mehrere pensionierte ärztliche Direktoren der Landeskliniken kürzlich medial ihren Eindruck einer strammen Spargesinnung sorgenvoll kundtaten. Das passt zunächst auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen! Ist vielleicht die Distanz aus dem verdienten Ruhestand gar schon zu groß oder verblenden die neuen Fassaden den klaren Blick?

 

Auch wenn ich hier auf die Details der medial geäußerten Kritik nicht eingehen will und ich sie auch nicht ausnahmslos teile, ist Sorge durchaus angebracht. Denn in all den Bauwerken unserer Krankenhäuser, den neuen und den alten, arbeiten Mitarbeiter unter zunehmendem Leistungsdruck. So verdichten etwa das Streichen von Diensträdern, Frequenzsteigerungen und neue Arbeitszeitmodelle die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass unsere Kolleginnen und Kollegen von der Pflege ebenfalls unter wachsenden Druck gebracht werden.

Was soll das Gejammer? Leistungsdruck nimmt in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu, mag man dagegenhalten. Und der Einwand wird nicht falsch sein. Aber der Weg, den unsere Spitäler gehen, ist dennoch falsch. Denn die messbare Effizienz unserer Arbeit ist nicht durch Automatisation steigerbar. Wer bei Ärzten, aber auch in der Pflege, bessere ökonomische Ergebnisse fordert, wird dies nicht gratis erreichen. Den Preis zahlen zunächst unsere Patienten und die Währung ist die Zeit, die wir für sie erübrigen können. Aber auch an der Ärzteschaft geht dies nicht spurlos vorbei. Kommunikation und Zuwendung unter Zeitdruck sind häufig für beide Seiten unbefriedigend.

Die geschilderte Problematik beschränkt sich nicht auf Salzburgs Spitäler. Sie betrifft Krankenhäuser anderer Bundesländer ebenso wie den Bereich der Kassenärzte. Es ist offensichtlich das gesamte soziale Segment unseres Gesundheitssystems, das unter wachsenden Spardruck kommt. Es ist exakt jener Bereich, der im kommenden Jahrzehnt eigentlich durch mehr Attraktivität den erheblichen Rekrutierungsbedarf decken sollte. Warum sollten sich aber junge Kolleginnen und Kollegen für das „Fließband" entscheiden, wenn sie außerhalb des sozialen Systems zufriedenstellendere Bedingungen finden können? Denn Empathie, Zuwendung und Verständnis sind unverzichtbare Qualitäten unseres Berufs, die auch in Zukunft mit einem „Akkord"-Verständnis für ärztliche Leistungen nicht vereinbar sein werden.

Offensichtlich reicht unseren derzeitigen Entscheidungsträgern der zunehmende generelle Ärztemangel noch nicht als ernstes Problem; sie steuern die Ärzteschaft auch noch aus den sozialen Versorgungssegmenten.

Jetzt wäre noch Zeit, zumindest diese Entwicklung zu korrigieren.

                   

Ihr Karl Forstner,
Präsident der Ärztekammer für Salzburg