Leitartikel

 

Als die Salzburger Ärztekammer 2013 im Zusammenwirken mit dem Gemeindebund in einer Bürgermeisterenquete den damals wohl noch nicht manifesten, aber aus demographischen Daten schon vorhersehbaren Mangel an AllgemeinmedizinerInnen erörterte, gehörten wir zu den wenigen, die sich mit dieser Thematik in der Öffentlichkeit beschäftigten. Politik und Sozialversicherung waren in ihrem Denken und Verhalten noch ganz von den kaum vergangenen Jahren einer Ärzteschwemme bestimmt. Hinweise auf den sich abzeichnenden Mangel wurden zumeist als interessensbestimmte Panikmache, ja als verantwortungslose Patientenverunsicherung denunziert und zurückgewiesen. Aber die Wirklichkeit ist nicht hintergehbar. So erkennt nun auch die verantwortliche Politik, in welcher prekären Personalsituation unser Gesundheitssystem sein wird; und Erkenntnis ist sicher auch hier der erste notwendige Schritt. Es ist aber zweifelhaft und damit erschreckend, wie sehr das Ausmaß, die Ursachen und vor allem die zeitliche Entwicklung des Problems verkannt werden. In dieser Hinsicht wirken auch Lösungsansätze zwar bemüht, aber politisch höchst erforderliche Aktion bleibt im Aktionismus stecken.  

So hat jüngst der Gesundheitsausschuss des Salzburger Landtags parteiübergreifend beschlossen, an die Bundesregierung mit der Aufforderung heranzutreten, die Studienplätze an Medizinuniversitäten auszuweiten. Dies leuchtet zunächst in einer Mangelsituation auch tatsächlich ein. Wer aber den Mangel des nächsten Dezenniums beherrschen möchte, kommt mit dieser Maßnahme um Jahre zu spät. Selbst wenn man umgehend – und welche Universität wäre dazu in der Lage – die Zahl der Studienplätze hochfahren würde, wären die ersten Auswirkungen frühestens in zehn Jahren zu erwarten. Gerade diese Zeit wird aber unser Gesundheitssystem nicht haben. Abgesehen davon, dass diese Maßnahme viel zu spät greifen würde, wäre sie ein kostspieliges Unterfangen, da nach Angaben des Wissenschaftsministeriums pro Studienplatz mit rund € 400.000,- an Kosten zu rechnen ist. Die heute mit der EU vereinbarte Quotenregelung stünde wohl ebenso neuerlich zur Diskussion und damit die Erwartung, dass Österreich noch wesentlich mehr ausländischen Staatsbürgern das Medizinstudium ermöglichen und bezahlen würde. Ein weiteres Argument, das diese Initiative infrage stellt, ist der Zahlenvergleich der Studienplätze in Österreich und im deutschsprachigen Ausland. So bietet Österreich bereits heute pro Kopf um über 50% mehr Humanmedizinstudienplätze an als Deutschland.

Der Mangel besteht heute und wird sich ausweiten. Er wird sich nicht auf einzelne Disziplinen oder Regionen beschränken, sondern er wird das gesamte System betreffen. Geeignete Maßnahmen sollten daher umgehend greifen. Wir müssen die nachrückende Generation als Ärztinnen und Ärzte in unserem Land halten. Dies heißt zunächst, wesentliche Verbesserungen in den Ausbildungsangeboten zu setzen und die Arbeitsbedingungen in den Spitälern auch für FachärztInnen zu verbessern. Eine auch von der Politik geplante Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes gehört sicher nicht dazu. Im niedergelassenen Bereich müssen Gestaltung der Leistungsangebote und der Honorare zweifelsfrei modernisiert und von bürokratischen Beschränkungen befreit werden. Gerade niedergelassene Ärzte müssen wieder in die Lage versetzt werden, ihre Praxen so zu organisieren, dass sie Zeit für ihre Patienten haben.

 

Ihr Dr. Karl Forstner,

Präsident der Ärztekammer für Salzburg