Leitartikel

 


 

Nun ist der Ärztemangel auch im österreichischen Parlament angekommen. Auch Österreichs Parlamentarier machen sich nun offensichtlich Sorgen um die Versorgungssicherheit in unserem Gesundheitssystem, gehen doch bundesweit ca. 50 % der Kassenärztinnen und -ärzte in den nächsten zehn Jahren in Pension. Ein verständlicherweise besorgniserregender Befund, auf den die Standesvertretung der Ärzte seit Jahren hinweist. Aber wir weisen auch seit Jahren darauf hin, dass die Pensionierungswelle auch unsere Spitäler vor gewaltige Herausforderungen stellen wird. In Salzburg etwa ist mit dem altersbedingten Ausscheiden von etwa 300 meist Vollzeit-Spitalsärzten in den kommenden 10 Jahren zu rechnen. Addiert ergeben diese beiden Segmente einen Ersatzbedarf von rund 550 ÄrztInnen und ergänzt um den Bedarf aus anderen Segmenten von rund 600 ÄrztInnen. Eingebettet ist diese demographische Situation in eine nahezu gleichartige bundesweite Problematik. Nicht viel anders sieht die Situation in Deutschland und der Schweiz aus.

Und schon tauchen – wie Seifenblasen am Jahrmarkt– Lösungsansätze auf. So sollen etwa auf Vorschlag der niederösterreichischen Landeshauptfrau die Ausbildungsplätze an den medizinischen Universitäten vermehrt werden. Abseits der Tatsache, dass Österreich im Vergleich zu Nachbarländern überdurchschnittlich viele Studienplätze bereits heute anbietet, abseits der Tatsache, dass das Medizinstudium nicht zu den billigen Ausbildungen gehört und abseits der Tatsache, dass unsere Universitäten eine relevante Vermehrung von Studierenden qualitativ wohl schlecht bewerkstelligen könnten, bleibt die Tatsache, dass eine derartige Maßnahme mit ihrer verzögerten Wirkung zunächst ohne Effekte bliebe. Welchem Gemeinderat würde es denn einfallen, bei einem akuten Brand nicht Löschbemühungen voranzustellen, sondern ein neues Feuerwehrauto zu bestellen.

Wer dem derzeitigen und zunehmenden Ärztemangel mit Vermehrung von Studienplätzen begegnen möchte, hat wohl eher regionalpolitische Zielsetzungen im Sinn, als die Stabilisierung unseres Gesundheitssystems.

Die Situation ist tatsächlich ernst und sie braucht wirksame und nachhaltige Maßnahmen – jetzt! Verbesserung der Arbeits- und Berufsbedingungen in allen Sparten unseres Gesundheitssystems – die diesbezüglichen Vorschläge der Ärztekammern liegen vor – müssen jetzt unverzüglich konsequent in die Tat umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang mutet es skurril an, dass in einem internen Entwurf des Gesundheitsministeriums Errungenschaften des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes infrage gestellt und geradezu bizarr konterkariert werden. Wer das Arbeitsklima für Ärztinnen und Ärzte in Österreich verschlechtern möchte, wer Österreich als Arbeitsplatz für diese Berufsgruppe unattraktiver gestalten möchte, wird mit solchen Maßnahmen zweifelsfrei Erfolg haben. Dies mag der kurzsichtigen Logik von Krankenhauserhaltern, meist Ländern, folgen, die ihre Personalsituation unter den gegebenen Bedingungen verbessern wollen. Aber diese Grundhaltung unserem Berufsstand gegenüber ist der sichere Weg in die Versorgungskrise.

                   

Ihr Karl Forstner,
Präsident der Ärztekammer für Salzburg