Leitartikel

Knapp vorbei ist auch daneben

 

Schön langsam wird es den Entscheidungsträgern in unserer Politik klar, dass Ärztemangel kein herbeigeredetes Schreckgespenst der Ärztekammer ist, sondern eine der zentralen Herausforderungen in unserem Gesundheitswesen sein wird. In diesem Sinne begrüßt die Salzburger Ärztekammer die Initiativen des Salzburger Gesundheitsreferenten in diese Richtung. In diesem Zusammenhang sollen die Bemühungen um eine Aufwertung der Allgemeinmedizin, die Initiativen zur Finanzierung der Lehrpraxis und die Unterstützung in der Neugestaltung flexibler Zusammenarbeitsformen für niedergelassene ÄrztInnen genannt sein. Diese Initiativen werden die auf unser Gesundheitssystem zukommenden Probleme nicht lösen, aber sie werden diese abfedern.

Umso unverständlicher sind andere von der Politik aktuell in Aussicht genommenen Vorhaben. War bisher im Landesdienst nach einer einjährigen Wartefrist eine Definitivstellung und damit eine erschwerte Kündbarkeit gegeben, soll nach dem Vorhaben des Landes diese Frist nun auf sieben Jahre verlängert werden. Nun fürchten wir sicherlich nicht Massenkündigungen, aber das Sicherheitsgefühl und damit die Bindung an den Dienstgeber werden reduziert. Es wird hier gänzlich verkannt, dass Salzburgs Spitäler in einem letztlich existenziellen Wettbewerb um Ärzte stehen und in Zukunft deutlich vermehrt stehen werden. Man muss nicht schwarzmalen, um zu erkennen, was dies heißen wird, wenn Salzburg bis ins Jahr 2025 jedenfalls 300 Spitalsfachärzte allein aus Altersgründen ersetzen muss. Dies in einem Arbeitsmarktumfeld, das in anderen österreichischen Bundesländern und im europäischen Ausland nicht anders aussehen wird.

Besonders belastend und letztlich inakzeptabel ist, dass die Landesspitäler Salzburgs durch diese Regelung auch Ausbildungsverhältnisse nicht mehr bis zum Ende der jeweiligen Ausbildung sicherstellen. Es ist gut vorstellbar, dass sich junge Kolleginnen und Kollegen eine Anstellung in Salzburg mehrfach überlegen werden. Es ist auch zweifelhaft, dass sich das vom Land Salzburg hoch gelobte Gehaltssystem Neu (GSN) dauerhaft als wettbewerbsfähig erweisen wird. Warnende Hinweise der Ärztekammer wurden bislang nicht aufgegriffen. Die Ärztekammer für Salzburg bedauert, dass die in Dienstrechtsfragen geforderten Betriebsräte die geplanten Veränderungen, zumal diese die gesamte Belegschaft betreffen, nicht mit der notwendigen Konsequenz verfolgen.

Entscheidungen des Salzburger Gesetzgebers können und werden, wenn sie zum Nachteil der Ärzteschaft sind, von der  Standesvertretung selbstverständlich intensiv beeinsprucht. Zentral ist aber unsere Warnung, dass bei Fehlentscheidungen Zukunft und Sicherheit der Gesundheitsversorgung der Salzburger Bevölkerung in Gefahr sind.

 

"Schön langsam wird es den Entscheidungsträgern
in unserer Politik klar, dass Ärztemangel kein
herbeigeredetes Schreckgespenst der Ärztekammer
ist, sondern eine der zentralen Herausforderungen
in unserem Gesundheitswesen sein wird."

 

 

Präsident Dr. Karl Forstner,
Ärztekammer für Salzburg