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Was ist dran am "guten" Cholesterin?

„Wunderwuzzi“ im Kampf gegen Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen ist es keiner, das „gute“ HDL-Cholesterin. Was es kann und was den HDL-Cholesterinspiegel wirklich reguliert.

Von Mag. Andrea Riedel

Das sogenannte gute HDL-Cholesterin galt einige Zeit als Hoffnungsträger, weil es das „schlechte“ Cholesterin zurück zur Leber transportiert und so mithilft, dass dieses sich nicht in den Gefäßen ablagert. Denn lösen sich diese Ablagerungen, Atherosklerose genannt, können sie Blutgefäße verstopfen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. Eine Erhöhung des HDL-Anteils im Blut sollte das Herz-Kreislauf-Risiko senken, so die Annahme.

Diese hohen Erwartungen haben sich nicht erfüllt: HDL rauf bedeutet nicht automatisch „schlechtes“ LDL runter. Zeigt nämlich das Blutbild einen zu hohen Cholesterinspiegel, betrifft das in den allermeisten Fällen das LDL-Cholesterin. „Das LDL muss man rasch und effektiv senken. Das ist das Um und Auf jeder Atherosklerose-Therapie, und das funktioniert nun einmal nicht, indem man das HDL hebt“, so der Internist, Prim. Univ. Prof. Dr. Thomas Stulnig, Leiter der 3. Med. Abteilung am Wiener Krankenhaus Hietzing.
„Trotzdem ist das HDL immer noch der ,good guy’ unter den Blutfetten und es macht Sinn, das ,gute’ Cholesterin auf einem gesunden Level zu halten.“ Denn nur so kann es seinen Job, den Abtransport des „schlechten“ LDL-Cholesterins, erledigen.
„,Heilen’ kann man zu hohe Cholesterinwerte nicht. Wie beim Bluthochdruck ist jede Therapie nur so lange wirksam, solange man sie konsequent umsetzt“, so Stulnig. Sprich: die Ernäh-rung dauerhaft umstellen, Bewegung in den Alltag einbauen und Medikamente regelmäßig einnehmen.

Geht nicht: HDL „raufessen“

Eine Ernährungsumstellung kann durchaus dazu beitragen, den Cholesterinspiegel zu normalisieren und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Wie groß der Effekt ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch davon ab, ob man raucht oder nicht und inwieweit folgende Faktoren im grünen Bereich liegen:

  • Body-Mass-Index und Bauchfett
  • Blutdruck
  • Blutzucker

 

Fachärztlicher Kommentar - Fokus auf LDL-Cholesterin

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Ursachen chronisch eingeschränkter Lebensqualität als Folge von Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripheren Gefäßverschlüssen. Auch bei den Todesfällen in Österreich liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wenngleich deutlich abnehmend im Verlauf der letzten 25 Jahre - mit ca. 40% der Todesfälle vor denen der Krebserkrankungen mit ca. 25% (laut Statistik Austria 2018).
Erhöhte Blutfette tragen neben hohem Blutdruck, Diabetes mellitus und dem Rauchen wesentlich zu diesen durch Gefäßsklerose (Atherosklerose) bedingten Erkrankungen bei. Dabei kommt dem LDL-Cholesterin als „schlechtem“ Anteil des Gesamtcholesterins die größte Bedeutung zu. Je nach vorhandenen Risikofaktoren für eine Gefäßsklerose kann für das nötige Ausmaß einer Senkung des LDL-Cholesterin-Spiegels im Blut ein individuelles LDL-Cholesterin-Ziel definiert und festgelegt werden. Häufig ist dieses nur durch eine medikamentöse Therapie, vorwiegend mit Statinen, zu erreichen. Ein Gutteil der Abnahme von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den letzten 20 Jahren ist neben der schnelleren und invasiveren Behandlung von akuten Gefäßverschlüssen (medikamentöse Auflösung, Ballondilatation und Stent-Versorgung, operative Therapie von Gefäßengstellen oder Gefäßverschlüssen) durch die Möglichkeit der medikamentösen Senkung von Blutdruck und LDL-Cholesterin erklärbar.
Lebensstilmaßnahmen wie Ernährung und Bewegung tragen dazu leider nur wenig bei, stellen aber für die Verbesserung der Lebensqualität im Sinne persönlichen Wohlbefindens und körperlicher Fitness eine wichtige Ergänzung dar. HDL-Cholesterin, auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet, und Triglyzeridspiegel im Blut haben sich als kaum mehr relevant zur Entstehung der Atherosklerose erwiesen. Eine wichtige Zusatzinformation für die Wahrscheinlichkeit einer Atherosklerose-Entwicklung gibt allerdings die Bestimmung des Lipoprotein (a), eines neueren Risikomarkers im Blut. Eine einmalige Bestimmung im Labor genügt dazu, der Wert unterliegt im Lauf des Lebens nur geringen Schwankungen und ist primär genetisch festgelegt.
Zur einfachen Risikobeurteilung für die Entstehung einer Atherosklerose dient die jährliche Vorsorgeuntersuchung bei welcher die genannten „Risikofaktoren“ Blutdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht, Rauchen, Blutfette, sowie eigene und familiäre Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhoben werden. Leitlinien der Fachgesellschaften (z.B. Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Österreichische Gesellschaft für Kardiologie, Österreichische Diabetes Gesellschaft, European Heart Association) gemeinsam mit Risk-Scores (z.B. PROCAM-Score, Framingham-Score) können unterstützend zur Beurteilung des individuellen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herangezogen werden.
Daraus ergibt sich ein personalisierter Zugang zur Prävention und wenn nötig Behandlung im Sinne einer Primärprävention. Wenn bereits eine Atherosklerose besteht und Folgen wie ein Herzinfarkt aufgetreten sind gelangt wiederum das LDL-Cholesterin in den Fokus der Blutfett-Behandlung mit individualisiert niedrigen Zielwerten unter 70 oder sogar unter 55mg/dl. Um diese Ziele zu erreichen stehen neben den bewährten Statinen welche die Cholesterinsynthese hemmen weitere Medikamente zur Reduktion der Cholesterinaufnahme aus der Nahrung (Ezetimibe) und zur Steigerung des Cholesterinabbaus im Körper (PCSK9-Hemmer) zur Verfügung. 

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