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Lästige Schmarotzer

Sie mögen es feucht, warm und können äußerst hartnäckig sein. Die Rede ist von Pilzen – kleinen Nutznießern, die unangenehme Beschwerden hervorrufen können.

Von Mag. Sylvia Neubauer

Von den rund 100.000 bisher bekannten Pilzarten sind nur wenige Hunderte für den Menschen von Bedeutung. So unter anderem „Spross- und Fadenpilze“, unterscheidet Dr. Claudia Heller-Vitouch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing zwei Gruppen, die häufig in Zusammenhang mit Pilzerkrankungen stehen.

Hautpilz
Genau genommen ist Hautpilz kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für eine Reihe von Hautinfektionen an unterschiedlichen Körperregionen. Die Ansteckung erfolgt entweder durch direkten Körperkontakt oder indirekt, durch Angreifen von Gegenständen, die mit dem Pilz kontaminiert sind. Besonders wohl fühlen sich die mikroskopisch kleinen Fadenpilze in dunklem, feuchtem und warmem Milieu.
Fußpilz
Der mit Abstand häufigste, durch Fadenpilze ausgelöste Hautpilz betrifft die Füße und hier insbesondere die Haut zwischen den Zehen. Von dort aus kann er sich auf weitere Regionen wie etwa die Fußsohle oder die Fußränder ausdehnen.
Wie kommt es dazu?
Fußpilz auslösende Mikroorganismen gedeihen mit Vorliebe dort, wo viele Menschen barfuß laufen, und fühlen sich auf den Fußböden öffentlicher Schwimmbäder, Sportumkleideräume, Duschen und Saunen, aber auch am Teppichboden viel besuchter Hotelzimmer wohl.
Wie verhindern?
„Die Ansteckungsgefahr lässt sich durch das konsequente Tragen von Badeschlapfen verringern“, empfiehlt die Dermatologin, entsprechende Präventionsmaßnahmen zu setzen. Außerdem sollte zur Vorbeugung vor der lästigen Pilzerkrankung darauf geachtet werden, die Zehenzwischenräume nach dem Duschen immer gut abzutrocknen. In länger nicht getragenen Schuhen legt der Pilz in Form von Sporen quasi einen Dämmerschlaf ein. „Sobald man die Schuhe wieder anzieht, kann er im warmen Milieu wieder in seine aktive Form übergehen“, erklärt Heller-Vitouch die Notwendigkeit einer gründlichen Schuhdesinfizierung, auch nach bereits ausgeheilten Pilzinfektionen.

 

Fachärztlicher Kommentar:

Da dem fachlich sehr fundierten Artikel von Dr. Claudia Heller-Vitouch nichts hinzuzufügen ist, möchte ich erläutern, wie die Situation in der Praxis aussieht:
Viel häufiger als der Nagelpilz tritt die traumatische Onycholyse auf. Bei einer traumatischen Onycholyse löst sich ebenfalls ein Teil des Nagels vom Nagelbett ab. Die Ursache ist mechanische Belastung, wie zum Beispiel enges Schuhwerk.
Durch den Konsum von Werbesendungen verkennen die Patienten dann die traumatisch Onycholyse als Nagelpilz und besorgen sich rezeptfreie lokale Antimykotika in der Apotheke.
Das Problem ist, dass diese Behandlung sowohl für die Onycholyse, als auch für den Nagelpilz unwirksam ist, wie im Artikel oben erläutert.
Danach suchen die Patienten die Praxis auf und beginnen das Gespräch mit der Aussage: „Ich habe einen Nagelpilz und der geht trotz Behandlung nicht weg.“ Bei dieser Konstellation müssen die lokalen Antimykotika wegen der Möglichkeit einer falsch negativen Pilzdiagnostik für ein Monat abgesetzt werden. Danach kann man sinnvollerweise den Nativbefund und die Pilzkultur durchführen.
Bei einer traumatischen Onycholyse sollten die Nägel kurz geschnitten und die onycholytischen Areale durch eine medizinische Fußpflege entfernt werden. Die engen Schuhe dürfen natürlich nicht mehr getragen werden.
Im medizinischen Handeln erfolgt zuerst die Diagnose und dann die Therapie. Dieses Prinzip sollte auch für die Verwendung von Antimykotika berücksichtigt werden.

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