Wie wichtig ist die Nachhaltigkeit beziehungsweise die Grundimmunisierung der COVID-19-Impfung?

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Dr. Holger Förster, Impfreferent der Ärztekammer für Salzburg und Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, beantwortet fünf Fragen zum Thema Nachhaltigkeit und Schutz der Grundimmunisierung der COVID-19-Impfung (1. und 2. Stich).

  1. Warum erzielt nur eine Dosis der COVID-Impfung (außer bei Johnson & Johnson) weniger Schutz beziehungsweise warum ist der zweite Stich erforderlich?
    Mit der zweiten Dosis steigt die Antikörperantwort auf das 10- bis 20-Fache an. Daher ist man nach dem zweiten Stich besser geschützt und der Schutz hält länger an, da das natürliche Absinken der Antikörper von einem höheren Niveau ausgeht.
     
  2. Welche Funktion übt die zweite Dosis aus?
    Beim Impfstoff der Firma Pfizer/Biontech soll der zweite Stich nach 19 bis 42 Tagen (am besten nach drei Wochen) erfolgen, bei Moderna nach 25 bis 35 Tagen (vier Wochen), bei AstraZeneca nach vier bis zwölf Wochen (drei Monate). Längere Zeitintervalle sind wahrscheinlich aus immunologischer Sicht möglich, aber nicht durch Studien belegt und daher off-label.
     
  3. Warum ist man bei Johnson&Johnson bereits nach einem Stich vollständig geschützt?
    Hierbei wird ein stabileres Spike-Protein gebildet, das eine bessere Immunantwort hervorruft. Letztlich wird so mit nur einer Impfung annähernd die gleiche Antikörper-Bildung erreicht, wie bei den anderen Impfstoffen.
     
  4. Kann man anhand eines Antikörpertests bereits nach dem ersten Stich der Impfung einen ausreichenden Impfschutz feststellen/nachweisen?
    In den allermeisten Fällen lassen sich zirka drei Wochen nach der ersten Impfung Antikörper nachweisen. Die Höhe sagt aber nur bedingt etwas über den effektiven Schutz aus, da auch die zelluläre Immunantwort eine große Rolle spielt und diese nur in Speziallaboren bestimmt werden.
     
  5. Wie lange hält der Schutz je nach Impfstoff an bzw. nach dem zweiten Stich?
    Derzeit geht man von einem vollen Schutz für sechs Monate aus. Der weitere Verlauf ist sicher individuell sehr unterschiedlich und wir müssen Langzeitdaten abwarten. Beim Impfstoff von J&J ist eher mit einer geringeren Schutzdauer zu rechnen. Daneben  beeinflussen auch  diverse Mutationen die Wirksamkeit der heute gängigen Impfstoffe und damit die Schutzdauer. Es wird also hochwahrscheinlich eine Auffrischungsimpfung in spätestens einem Jahr notwendig sein – unabhängig vom Impfstoff der Grundimmunisierung.
     
  6. Warum ist die Anzahl der Antikörper nach einer erfolgten Impfung bei vielen Patient*innen so verschieden?
    Das Immunsystem ist individuell unterschiedlich aktiv – bei jungen Menschen stärker als bei älteren Menschen – und auch abhängig von der "Tagesform", dazu zählen Variablen wie andere kleine Infekte im Vorfeld, aktuelle Allergiebelastung, Schlafverhalten, Ernährung, etc.. Andererseits wissen wir bislang nicht, welcher absolute Antikörper-Titer ein verlässlicher Indikator für einen guten Schutz gegen eine COVID-Erkrankung darstellt.

Weitere Informationen zu COVID-19 finden Sie auch im med.ium.