Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde empfiehlt die COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren.

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In einem Schreiben an die Eltern begründet die ÖGKJ ihren Entschluss für die ausgesprochene Impfempfehlung und garantiert ihrerseits, den weiteren Verlauf sehr konsequent und sorgsam zu beobachten.

 

Die europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) hat bereits zwei COVID-19-Impfstoffe (BioNTech/Pfizer® und Moderna®) auch für Personen unter 16 Jahren zugelassen, das Österreichische Nationale Impfgremium (NIG) hat am 28.05.2021 eine Impfempfehlung auch für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren ausgesprochen. Mit 16.8.2021 hat nun auch die STIKO eine generelle Impfempfehlung veröffentlicht. Zahlreiche andere Länder wie z.B. Frankreich, Italien, USA, Kanada und Israel hatten schon bisher entsprechende Empfehlungen. Im Sinne seriöser und transparenter Information ist zu erwähnen, dass die Deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) eine solche generelle Impfempfehlung zunächst nicht ausgesprochen hat und die Impfempfehlung auf bestimmte Risikogruppen beschränkt hat.
Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) hat sich dieser Empfehlung nach reiflicher Überlegung und Sichtung der bisher vorliegenden Daten und wissenschaftlichen Literatur angeschlossen. Somit ist aus ihrer Sicht die Impfung auch für 12- bis 15-Jährige zu empfehlen.

Sie begründet dies folgendermaßen:
 

  1. Auch wenn Kinder und Jugendliche wesentlich seltener schwer an COVID-19 erkranken als Erwachsene, kommen auch in dieser Altersgruppe schwere Verläufe vor.
    Bis Juni 2021 sind etwa 150 Kinder und Jugendliche schwer an COVID-19 erkrankt (viele davon infolge überschießender Immunreaktion bzw. mit Behandlung an einer Intensivstation) und über 500 mussten wegen dieser Infektion in Spitälern aufgenommen werden. Sechs PatientInnen (mit allerdings schweren Vorerkrankungen) sind an bzw. mit dieser Infektion verstorben.
    Eine Impfung kann mit hoher Wahrscheinlichkeit Kinder und Jugendliche vor einem schweren Verlauf und einem notwendigen Spitalsaufenthalt schützen. Dieser „Individualschutz“ ist aus Sicht der ÖGKJ das wichtigste Argument für eine Impfung – aus derzeitiger Sicht überwiegt der Nutzen ein mögliches Nebenwirkungsrisiko sehr deutlich.
  2.  Die Impfung auch von Kindern und Jugendlichen kann zum sogenannten „Gemeinschaftsschutz“ (früher als „Herdenschutz“ bezeichnet) beitragen.
    Wären Kinder und Jugendliche als einzige Altersgruppe nicht geimpft, würde eine „Rückkehr“ von COVID-19 im Herbst/Winter 2021/22 vor allem diese Altersgruppe betreffen. Großflächige Schließungen von Kindergärten, Schulen und anderen Kindereinrichtungen wären dann sehr wahrscheinlich. Die Impfung von Kindern und Jugendlichen dient somit auch dem Erhalt eines weitgehend normalen sozialen Lebens (auch) für Kinder und Jugendliche. Letzteres ist lt. WHO essenzieller Bestandteil von Gesundheit.
  3. Nach derzeitiger Datenlage muss zwar mit Impfreaktionen wie Fieber, Muskelschmerzen und dgl. gerechnet werden, schwere durch die Impfung bedingte Nebenwirkungen sind jedoch sehr selten.
    In der Zulassungsstudie von BioNTech/Pfizer wurde keine einzige schwere Nebenwirkung beobachtet. Mittlerweile wurden – unter sorgfältiger Überwachung - mehrere Millionen (allein in den USA ca. 10 Millionen) Impfdosen an 12- bis 15-Jährige ohne Häufung schwerer Folgen verabreicht. Es muss festgehalten werden, dass sehr selten zeitnah zur Impfung Fälle von leichter Herzmuskelentzündung (Myokarditis) beobachtet wurden, diese Erkrankungen sind aber durchwegs milde verlaufen. Auch ist das Risiko einer Myokarditis im Fall einer COVID-19-Erkrankung vielfach höher als durch Impfung.

"Zusammenfassend möchten wir daher nochmals eine Impfempfehlung aussprechen, Sie als Eltern aber keinesfalls zur Impfung drängen", betont die ÖGKJ und ergänzt: "Als Kinder- und JugendärztInnen ist es uns besonders wichtig, dass Ihre Bedenken als Eltern und Familien ernst genommen werden und Sie auch Gelegenheit bekommen, diese mit gut informiertem medizinischem Fachpersonal zu besprechen. Zögern Sie daher bitte nicht, Ihren Kinderfacharzt / Ihre Kinderfachärztin, Ihren Hausarzt / Ihre Hausärztin oder sonstige VertrauensärztInnen zu kontaktieren.

Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde garantiert ihrerseits, den weiteren Verlauf sehr konsequent und sorgsam zu beobachten und unverzüglich zu berichten, sollten bedenkliche Ereignisse auftreten.

Quelle: Elternbrief der Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) vom 16.08.2021