Kampagne der ÖÄK "Danke! Allen, die im Gesundheitsbereich arbeiten" - Teil 2

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Dr. Harald Breitfuß ist Arzt in Flachau und ist seit Pandemiebeginn mittendrin statt nur dabei. Was er erlebt hat, hat er uns erzählt:

Über den Beginn der Pandemie

„Wir wurden von Covid 19 im März 2020 völlig überrascht, und das während wir noch mitten im Stress durch den Wintertourismus waren, da sind ja viele Notfälle zu behandeln. Dann hatten wir vier Wochen Quarantäne und haben die Ordination im Notbetrieb rund um die Uhr ganzwöchig zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im Quarantänegebiet offen gehabt und hatten keinen einzigen Tag geschlossen. Es war ein wenig Chaos am Anfang, wir waren auf uns allein gestellt. Wir haben sofort Schutzmaterial auf privatem Weg besorgt, die Ordination mit Plexiglasscheiben ausgestattet, Desinfektionsspender montiert und das ganze Anmeldesystem umgestellt.“

Testzentrum aufgebaut. Tests über Hausapotheke. Impfung in der Ordination.

Im Herbst 2020 haben wir gemeinsam mit der Gemeinde und dem Tourismusverband ein Testzentrum in Flachau aus dem Boden gestampft und dort die notwendigen Testungen PCR, Schnelltest, Antikörpertest durchgeführt. Normalerweise haben wir ja mit Skiunfällen zu tun zu dieser Zeit, wir haben es mit Humor genommen und Betrieb mit unseren eigenen Mitarbeitern nach dem Motto „Testen statt Gipsen“ durchgeführt.

Ab 1. April 2021 haben wir kostenlose Antigen-Testungen über die Hausapotheke angeboten, durch die Öffnungen am 19.5. haben immer mehr dieses Angebot angenommen. Zusätzlich impfen wir seit Feber dieses Jahres, seit Mai mit 2 fixen Impfterminen pro Woche.

Wunsch an die Politik

Wir sind vor Ort und kennen die Situation und unsere Patientinnen und Patienten am besten. Ich würde mir von der Politik eine bessere Einbindung der bestens aufgestellten Hausärzte in Pandemien wünschen. Salopp formuliert: Man hat den Menschen ja teilweise eingeredet, dass sie bei überforderten Hotlines anrufen sollen, anstatt zu uns Ärzten zu kommen, das war sicher nicht optimal.

Was man lernen kann

Vieles hat gut funktioniert, aber es gibt schon Verbesserungspotential. Es erfolgt zum Beispiel keine behördliche Information über Covid 19 Erkrankte im Ort an uns, gleichzeitig mussten wir aber die Versorgung vor allem im ländlichen Bereich trotzdem unter sehr schwierigen Bedingungen übernehmen. Was ich ebenso falsch finde: Kostenlose Covid-Testungen bei symptomlosen Menschen fanden ausschließlich über Apotheken und nicht über Hausärzte statt, obwohl Abstrichentnahme und Diagnosestellungen die Kernkompetenzen der Hausärzte sind. Das verstehe ich bis heute nicht.

DANKE an das Personal

Mein Dank geht an alle Ärzte und Mitarbeiter der Basisversorgung im Gesundheitssystem, vor allem auch den Ordinationsassistentinnen, welche tausende Anrufe (Kranke, Impfungen, Testungen, etc) und Termine zusätzlich bewältigen müssen und von denen höchste Flexibilität und viele Überstunden abverlangt wurden und werden.