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Knochen: Aufgaben, Erkrankungen, Schutz

Von Mag. Sabine Stehrer

 

Welche Aufgaben erfüllen unsere Knochen?

Unsere Knochen bilden mit den Muskeln den Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers, so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Knochen- und Mineralstoffwechsel (ÖGKM) Prim. Dr. Peter Bernecker. Zu ihren Aufgaben zählt also, uns Halt zu geben und uns Bewegung zu ermöglichen, und auch, andere, innere Organe zu schützen. Darüber hinaus haben die Knochen noch die Funktion, Kalzium und Phosphor im Körper zu speichern.  

Woran erkranken unsere Knochen häufig?

Die häufigste Erkrankung der Knochen ist eine Stoffwechselerkrankung, die Osteoporose. Davon sind postmenopausale Frauen und auch Männer betroffen – Männer allerdings erst in höherem Alter. Unter den über 80-Jährigen erleidet jede zweite Frau und jeder vierte Mann einen osteoporosebedingten Knochenbruch. Verbreitet sind auch bösartige Erkrankungen der Knochen durch die Bildung von Knochenmetastasen. Diese Tochtergeschwülste von Tumoren entstehen, wenn Krebszellen von anderen Tumoren über die Blut- und Lymphgefäße in die Knochen übergehen und sich dort ansiedeln.  Auch machen den Knochen noch Krankheiten zu schaffen, die familiär gehäuft auftreten, wie Morbus Paget oder die Osteogenesis imperfecta, besser bekannt als Glasknochenkrankheit. Knochenbrüche sind wiederum die häufigste Verletzung von Knochen.

Wie können wir unsere Knochen schützen?

Der beste Schutz für die Knochen ist Belastung, sind also Bewegung und Sport. Denn durch die Belastung bei einem Krafttraining, bei einem Ausdauertraining, auch bei einem Koordinationstraining wird einerseits der Knochen gefordert, was ihn gesund hält, andererseits werden die Muskeln gestärkt, die den Knochen stützen und schützen. Ebenfalls wichtig für die Knochengesundheit ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend kalziumhaltigen Lebensmitteln. Auch Vitamin D ist wichtig für die Knochengesundheit sowie nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen konsumieren.  

 

 

 

 

 

 


Dr. Thomas Sinnißbichler, MAS

Arzt für Allgemeinmedizin,
Sportärztereferent ÄK Salzburg

 

Sportmedizinische Stellungsnahme zur Vorbeugung und Behandlung der Osteoporose

 

Wie in dem Interview mit Prim. Dr. Peter Bernecker erwähnt, ist die sportliche Bewegung ein wesentlicher Bestandteil zum Erhalt der Knochengesundheit. Als Sportmediziner möchte ich den Begriff Bewegung allerdings etwas präzisieren, da Ausdauer, Kraft und Koordinationstraining doch etwas schwammige Begriffe sind und dem Patienten eigentlich Sport wie ein Medikament verordnet werden sollte. Vor allem kommt es auch auf den Zeitpunkt an, an dem mit Sport begonnen wird. Es stimmt zwar, dass Knochensubstanz, genauso wie Muskelmasse immer aufgebaut werden kann, aber es gilt auch hier, je früher desto besser.

Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre zeigten, dass Personen, die im Alter von 30 Jahren, also zum Zeitpunkt der höchsten Knochenmasse, am oberen oder unteren Bereich der  Knochendichte zu finden sind, dies auch mit 70 Jahren noch sind. Mit anderen Worten kommt dem Knochenaufbau im Zeitraum vor dem 30. Lebensjahr und da wieder der Phase vor aber besonders während der Pubertät, eine entscheidende Rolle zu. So gibt es Daten, dass 30 Prozent des adulten Knochenmineralgehalts während dieser Jahre angelegt werden. Zudem ist das Knochenwachstum bei Mädchen am größten von der Mitte der Pubertät bis zur Menarche (i.d.R. Tanner-Stadium IV) im Alter von 12,7±0,98 Jahren. Es ist also der Zeitpunkt zu dem ein Sport, im Sinne eines regelmäßigen Trainings aufgenommen wird relevant. So wird die Knochengeometrie besonders im Kindesalter auf Belastung modifiziert. Studien dazu gibt es bei Tennisspielerinnen und Turnerinnen, wobei sich zeigte, dass der Schlagarm bis zu 19 % höhere Knochendichtewerte aufwiesen, als der nicht dominante Arm, so der Sport vor der Menarche begonnen wurde. Bei späteren Beginn war der Benefit „nur" bei 9 %. Zudem bleibt die gewonnene Knochendichte und die strukturell günstigen Anpassungen der Knochen längere Zeit erhalten, wie bei Turnerinnen auch nach Beendigung intensiver sportlicher Aktivität, noch im Alter von 22-30 Jahren, in einer deutlich besseren Knochenstruktur, gegenüber nicht Sporttreibenden, gezeigt werden konnte.

Von Relevanz für die Architektur, Struktur und Dichte des knöchernen Skeletts ist aber auch die Art der Aktivität. Zu bevorzugen sind High - Impact Sportarten, wie Laufen, Trampolinspringen, Ballsportarten wie Volleyball, Basketball oder Fußball sowie alpines Skifahren. Bei Schwimmern, die auf Grund der verringerten Schwerkraft im Wasser, kaum Wirkung auf die Knochen zustande kommt, sind die Knochendichtewerte, deutlich geringer.

Für eine gute Knochendichte und damit eine möglichst gute Osteoporose-Vorbeugung im Alter sind also Sportarten mit hohen Stoß- und Zugbelastungen auf den Knochen besonders während der Pubertät von großer Bedeutung. Nicht zu unterschätzende Einflüsse auf die Knochenstruktur sind die Ernährung, der Vitamin D Spiegel, bei Mädchen das Alter der Menarche sowie die genetische Ausstattung.

Intensives Training kann allerdings auch gegenteilige Effekte bewirken. Erkennbar wird zu intensives Training, wenn bei Sportlerinnen die Periode ausbleibt, wobei allerdings auch ohne dieses Indiz, sehr schlanke und/oder sportliche Frauen Knochenmasse verlieren können. Von Interesse ist der Umstand, dass bei Sportlerinnen, bei denen die Periode auf Grund intensiver Trainingseinheiten ausblieb, höhere körpereigene Kortisolspiegel gemessen wurden als bei ebenso trainierende Frauen, die aber ihre Periode behalten.

Training zur Osteoporose Prophylaxe und Trainingsziele sind:

1. Behalt der momentanen Knochenmasse

2. Verbesserung/Verdichtung der Knochenmasse (peak bone mass)

3. Reduzierung der Sturzgefahr

4. Förderung der allgemeinen Beweglichkeit

5. Verbesserung der Alltagsmotorik

6. Schmerzreduzierung

Training:

1. Zu bevorzugen sind vielseitige, auch ausdauerorientierte Belastungsformen wie Tanzen, Aerobic und Sportspiele, die bei einer mittleren bis hohen mechanischen und physischen Reizintensität und moderater Reizhäufigkeit und -dauer über alle "Knochenfaktoren" mechanisch lokal und systemisch übergreifend auf das Skelett einwirken.

 2. Trainingsinhalte mit hoher Reizintensität und raschem Belastungsaufbau wie Sprünge, die mechanisch besonders intensiv auf die belastete Skelettregion einwirken.

 3. Krafttraining im mittleren bis hohen Intensitätsbereich (≥ 70% des 1RM = Einwiederholungsmaximums) unter Miteinbeziehung aller großen Muskelgruppen. Im Seniorenbereich können diese hohen Belastungen durch ein Krafttraining mit einer Intensität vom ca. 60 % des 1RM mit 6-8- Wiederholungen durchgeführt werden.

4. Organisatorisch muss das Training regelmäßig mindestens zweimal pro Woche angeboten, oder selbst durchgeführt werden.

https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/zusammenhang-zwischen-sport-in-der-pubertaet-und-der-peak-bone-mass/

https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/osteoporose-bei-sportlerinnen-ein-bislang-wenig-beachtetes-risiko/

 https://www.mtc.ch/assets/files/Osteoporose-Prophylaxe-und-Rehabilitation.pdf

https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2003/heft11/a01_11_03.pdf

 

  

 

 

 

 

 

 



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