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Geistig fit ein Leben lang

Wie alle Organe so büßt auch das Gehirn mit zunehmendem Alter an Leistung ein. Diesen Prozess kann man jedoch wirkungsvoll beeinflussen.

Von Mag. Wolfgang Bauer

 

Ab einem Alter von etwa 25 bis 30 Jahren nimmt die Leistungsfähigkeit des Herzens, die Festigkeit der Knochen, die Kraft der Muskeln ab. Auch das Gehirn bleibt von Veränderungen nicht verschont: Nervenzellen gehen ebenso verloren wie die Verschaltungen zwischen diesen Zellen, die Durchblutung des Gehirns lässt nach usw.  

Umgekehrt gilt: „Wer sich mit den biologischen Veränderungen und Herausforderungen des Älterwerdens aktiv und konstruktiv auseinandersetzt, bleibt geistig fit", so Univ. Doz. Dr. Gerald Gatterer, klinischer Psychologe, Psychotherapeut und Leiter des Institutes für Altersforschung an der Sigmund-Freud-Universität in Wien. Und nicht nur das. Seiner Ansicht nach kann man die geistige Leistungsfähigkeit verbessern und den biologischen Alterungsprozess um Jahre nach hinten verschieben.

Dafür genügt ein gesunder und aktiver Lebensstil. Manches kann man sogar ganz nebenbei erledigen. Dazu Beispiele:

  • Versuchen Sie sich beim Lesen einer Zeitung die wichtigsten Inhalte zu merken, indem Sie Berichte aus verschiedenen Bereichen (Innenpolitik, Außenpolitik, Sport, Kultur, Lokalbereich usw.) aus dem Gedächtnis abrufen.
  • Wenn Sie einkaufen gehen, dann schauen Sie im Supermarkt bewusst nicht auf den Einkaufszettel, sondern versuchen Sie alle Waren, die Sie sich notiert haben, aus dem Gedächtnis abzurufen.  
  • Regelmäßig Kreuzworträtsel oder Sudokus lösen, oder bestimmte Übungen zur Förderung der Konzentration oder Merkfähigkeit machen, wie sie in Fachbüchern enthalten sind.

Ebenfalls wirkungsvoll, um geistig fit zu bleiben: Neues lernen, also nicht ständig Dinge tun, die man ohnehin kennt und gut beherrscht, sondern bewusst aus der Monotonie ausbrechen. Dazu zählt zum Beispiel, neue Menschen kennen lernen, Urlaube in unbekannte Länder und Regionen planen. Oder mit Aktivitäten beginnen, die Körper und Geist gleichermaßen anregen. Wie etwa Tanzen.

 

Dr. Christian BSTEH

Fachgruppenobmann NEUROLOGIE

Fachärztlicher Kommentar:

Viele sind besorgt an Alzheimer zu erkranken, wenn sie Namen von Personen nicht gleich nennen können, manchmal in einen Raum gehen um etwas zu holen und ihnen entfallen ist, was. Solche Dinge sind meist harmlos. Im Alter wandeln sich manche Fähigkeiten des Gehirnes. Arbeitsspeicher, Abrufen von Inhalten werden schlechter - planerische Fähigkeiten, Übersicht oft besser.

Werden aber zum Beispiel vereinbarte Termine nicht wahrgenommen, Ereignisse der letzten Tage, Wochen nicht mehr erinnert-als wären sie  nicht geschehen- und ähnliches, sollte eine eingehende Untersuchung beim Neurologen erfolgen.

Wir wissen zwar einiges über die im Gehirn ablaufenden Vorgänge bei der Demenz. Die Ursache der Alzheimererkrankung ist aber leider bis heute ungeklärt. Somit kann bis jetzt keine die Krankheit grundlegend ändernde oder gar heilende Therapie angeboten werden.

Man nahm früher an, Demenzen werden überwiegend durch die Alzheimererkrankung verursacht. Heute geht man davon aus, dass nur ein kleinerer Teil durch diese Reinform verursacht wird, der Großteil aber durch Mischformen mit Durchblutungsstörungen.

Einige Risikofaktoren sind bekannt, deshalb ist es sinnvoll, die vermeidbaren durch den Lebensstil zu reduzieren. Genetische Faktoren und anderes sind ja nicht veränderbar.

Neben der geistigen Aktivität mit Training von Gedächtnis, Konzentration und einer positiven Neugier sind auch körperliche Aspekte wichtig.

Ernährung: Zu empfehlen ist es, Zucker und Weißmehlprodukte so weit wie möglich zu reduzieren. Den Kohlenhydratbedarf vor allem durch Gemüse und Obst/Beeren und den Eiweißbedarf besonders mit Fisch, weniger Fleisch mit Schwerpunkt Geflügel zu decken. Bei den Fetten sollte ein gewisser Anteil von Nüssen und Mandeln stammen. Margarine sollte vermieden werden. Bei den Ölen sind Olivenöl,  Leinöl zu bevorzugen.

In Jugend und Erwachsenenalter verbraucht das Gehirn etwa 20% der vom Herz beförderten Blutmenge. Im Alter verschiebt sich der Anteil auf 25%: Umso wichtiger ist es für eine optimale Durchblutung zu sorgen. Viel trägt dazu regelmäßige Sportausübung bei. Jede Form von Bewegung, aber besonders längere Spaziergänge, Bergwandern, Laufen, Radfahren etc. sind günstig.

Es gibt auch Hinweise, dass chronische Überforderung, besonders im Zusammenhang mit schlechter Motivation, sich ungünstig auf das Gehirn uns insgesamt auch auf das Gefäßrisiko auswirken.

 

 

 

 

 

 

 

 


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Buchtipp:

Gatterer, Croy
Geistig fit ins Alter 4. Neue Gedächtnisübungen
für ältere Menschen

ISBN 978-3-662-53098-6
84 Seiten, ca. € 19,99
Springer Verlag, September 2018

 


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